Wir sind die letzten Sommer Schritt für Schritt nach Norden gerutscht. Erst die Schären, dann Bergen und die Küste, dann ein paar Fjorde — und plötzlich war klar, dass wir nicht mehr zurück nach Süden wollen, jedenfalls nicht im Juli. Im Norden ist im Sommer etwas, das wir woanders nicht finden: dieses ruhige, klare Licht, das einfach nicht aufhört. Abende, die nie ganz Nacht werden. Und diese seltsame Mischung aus Weite und Geborgenheit, die man, ehrlich gesagt, schwer erklären kann, wenn man nicht selbst mal an so einem Wasser gestanden hat.
2026 nehmen wir uns das Ganze einmal am Stück vor. Stavanger, Molde, Olden, Tromsø, Honningsvåg, Longyearbyen. Sechs Orte, zwölf Tage, von Südnorwegen bis fast an den Rand der Karte. Es ist die Reise, auf die wir, ohne es zu wissen, seit Jahren zusteuern.
Dieses Ortsbuch ist nebenbei entstanden — aus der einfachen Beobachtung, dass die Dinge, die man dort oben wirklich wissen will, nirgendwo zusammen stehen. Wie das Wetter sich pro Ort eigentlich verhält. Was man besser nicht macht. Was sich lohnt, wenn der erste Plan ins Wasser fällt. Reiseführer erzählen, was ein Ort ist; sie erzählen selten, wie man ihn übersteht und mag.
Ich schreibe seit Jahren über Orte, und der Norden im Sommer ist für mich keine Checkliste. Eher ein Ton, den man langsam zu hören lernt. Dieses Buch ist der Versuch, diesen Ton aufzuschreiben, so wie ich ihn selbst lesen wollen würde: konkret genug, um etwas damit anzufangen, und ehrlich genug, dass man es ihm glaubt.
Die Kapitel entstehen vor und während der Reise. Quellen stehen drin. Wenn etwas nicht stimmt, wird es korrigiert. Wenn etwas anders kam als gedacht, steht das auch da.